Unternehmen und auch Führung werden nicht mehr so sein wie sie vorher waren.

Die Einschläge kommen näher. Jeder der bis jetzt dachte, es betrifft mich nicht, sieht spätestens am Toilettenpapier-Regal, das etwas im Busch ist. Mein 4-blättriges Einmalpapier fehlt. So sollte nun in Jedem die Erkenntnis reifen, dass der Team-Gedanke nun doch nicht frei übersetzt „Toll ein anderer machts“ bedeutet, sondern im engeren Sinne ein Zusammenhalt und füreinander einstehen, auch wenn ich den anderen nicht persönlich kenne. Die Ansteckungswelle und die Auswirkungen zeigen unmissverständlich die engen Verflechtungen in unser aller Welt. Auch wenn ich den Nachbarn nicht kenne oder sogar doof finde, beim Virus sind wir alle gleich. Spätestens wenn wir das voll besetzte Lokal besuchen oder eng im Bus stehen, lernen wir uns dann doch irgendwie kennen. Zumindest unsere Bakterien und Viren. Daher fordern auch alle Experten eine Askese der besonderen Art. Die körperliche und persönliche Begegnung weicht der digitalen und internetaffinen Körperlichkeit. Das Handy und Laptop wird unser neuer Ansprechpartner. Siri oder Alexa die Best-Buddies.

Der Trend der letzten Jahre wird verstärkt.

Wir begeben uns immer mehr in die Welt der Emojis und Kurznachrichten. Der Video-Chats und Telkos. Der Podcasts und Mails. Was die Arbeitswelt flexibel und schneller macht, hilft uns nun in der Krise. Wer sich bis dato noch keine Gedanken über Digitalisierung, technologisch moderne Ausstattung am Arbeitsplatz bzw. Home-Office oder agile situative Zusammenarbeit gemacht hat, der wird nun krass und brutal genau vor diesen Herausforderungen stehen. Oder auch nicht mehr, weil es sowieso zu spät ist. Die Situation zeigt auch, dass wir uns nicht auf alles vorbereiten und einstellen können, aber genau darauf können wir uns einstellen. Die Planung und jahrelange Vorausschau verlieren ihren Wert, sobald Überraschungen auf uns einprasseln. Die Dynamik schlägt zu. Dann sind meist panische und heftige Reaktionen die Folge. Ein Befolgen der Vorschriften und der Planung ist nicht mehr möglich, aber doch irgendwie gesucht. Was ich nicht weiß, kann ich nicht ausführen. Unsicherheit und Machtlosigkeit breitet sich aus. 

Dies gilt auch für die Arbeitswelt.

Dennoch müssen wir feststellen, dass viele von uns besonnen und ruhig reagieren und die Lage richtig interpretieren. Rückblickend gibt es immer einen besseren Weg. Grenzen früher zu schließen. Tests öfters zu veranlassen. Mitarbeiter zuhause zu lassen. Doch das ist der Blick der vermeintlich Schlaueren zurück. Klar, auch heute noch gibt es Ausnahmen. Menschen ignorieren die Solidarität, die Abhängigkeiten und Verbindungen zu anderen und leben weiter wie bisher. Es ist ja immer gut gegangen. Doch hier lernen wir auf unangenehme Weise neue Verhaltensregeln. Solidarität ist nicht mehr nur ein Wort, sondern wird zur gelebten Wirklichkeit. Flexibilität und Zusammenarbeit sind nicht mehr Buzz-Words der neuen Arbeitswelt, sondern wahrgewordener Albtraum aller Bürokraten, Controller und Planer. Wir erkennen den Zusammenhang zwischen Einkauf aus vollen Regalen, dem Preis und den Lieferketten. Wir ergötzen uns an der Vielfalt der Waren, um jetzt zu erkennen, dass Toilettenpapier und Nudeln die echten Gewinner sind. Was bis heute klar erschien, geht im Strudel der Schnelligkeit unter. Aus diesen Sichtweisen und Erlebnissen zu lernen, ist die neue Lernkurve. Dies gilt für jeden einzelnen von uns, aber auch für die Unternehmen und Organisationen. Führung ist nicht mehr wie es war.

Mit ungeheurer Intensität werden Unternehmen von der Wirklichkeit überrannt

Viele Unternehmen kämpfen mit den Überraschungen, die jeden Tag auf einen warten. Das war schon vorher so und viele konnten es (noch) mit Masse, Budget oder Ignoranz unterdrücken. Doch jetzt in dieser Krise und viralen Phase implodieren alle dynamischen Herausforderungen in einem Punkt wie ein Stern der zum schwarzen Loch wird. Mit ungeheurer Intensität, pointiert auf einen Moment, werden Unternehmen von der Wirklichkeit überrannt. Auf einen Schlag erleben Unternehmen die aktuellen Herausforderungen in 2020 ff in einer Woche. Nach der Überraschung ist vor der Überraschung. Crash an Crash. Kundenanforderungen ändern sich stündlich. Die Nachfrage bricht ein oder steigt exponentiell (siehe Klopapier). Sicherlich ist dies eine sehr besondere und konzentrierte Situation für uns alle, aber ich hoffe, dass die Lerneffekte und Ableitungen daraus, sich noch mit in den Aufschwung fortsetzen. Nicht, dass wir so weiter machen wie bisher, weil wir es nicht verstanden haben. Nach dem katastrophalen Crash kommt Studien zu Folge wieder ein genauso steiler Aufstieg. Man geht von einer V-förmigen Wirtschaftsentwicklung aus. Unternehmen werden ihre globalen Lieferketten grundlegend neu ordnen müssen. Die Abhängigkeit von einem oder wenigen Lieferanten ist gefährlich und Unternehmen werden ihre Lieferketten wieder stärker dezentralisieren.

Es wird versucht, Versäumtes nachzuholen

Gleichzeitig versuchen viele Unternehmen die Versäumnisse der letzten Jahre schnellstmöglich aufzuholen. Innerhalb weniger Tage werden Remote-Arbeitsplätze oder Video-Konferenzen aufgestellt und die technische Infrastruktur geschaffen, die vorher nicht im ansatzweise möglich waren. Es zeigt mal wieder Wollen führt zu Machen. Doch auch damit können wir dann in unserer Hektik und Panik die Sicherheitslücken und den Datenschutz aus den Augen verlieren. Daraus können sich neue Gefahren und Probleme für unser Unternehmen ergeben.

Führung ist nicht mehr wie es war

Aber auch die aktuelle Situation greift auch unsere hierarchische Struktur und unser Führungsverständnis an. Wir sehen, dass Führung neugestaltet wird. Nein, neugestaltet werden muss. Die landläufige Meinung einer kontrollierenden Art der Führung ist nun schwieriger bis gar nicht zu leisten. Insbesondere die Kommunikation und Gespräche erhalten einen neuen Stellenwert. Die bisher kurz angebundenen oder vernichtend geringen Gespräche mit den Mitarbeitern weichen nun auch noch einer digitalen, internetbasierten Kommunikation. Was früher eventuell noch zufällig auf dem Gang stattgefunden hat, muss nun aktiv aktiviert und gestartet werden. Hand ans Telefon nehmen und anrufen. Laptop anschalten und Video-Call aufrufen. Doch dieser Form der Kommunikation fehlen wichtige Aspekte einer gemeinsamen Sprache, eines Zusammenkommens. Die Gestik, die Körpersprache, Tonalität oder direkte mimische Antworten gehen weitestgehend verloren. Manchmal verlieren wir diese sogar komplett, wenn die Internetverbindung doch nicht so stabil ist wie eingekauft. Auch Funklöcher lassen grüßen. Diese neuartige Führung braucht mehr ehrliche und ernstgemeinte Kommunikation – stärker und intensiver als jemals zuvor. Kommunikation in Zeiten der Krise, aber auch in Zeiten der neuen Arbeitswelt ist wesentlich öfters als seltener zu nutzen. Miteinander sprechen ist eher zu verdoppeln als zu reduzieren. Klare Worte und einfache Sätze sind anstatt von verschachtelten, komplexen Sätzen zu bevorzugen.  

Trotz Distanz sind wir emphatischer

Diese Zeit bringt uns alle zu einer höheren Wertschätzung des anderen. Wir stellen uns auf den anderen ein und gehen empathisch aufeinander zu. Nicht weil Trends und Methoden dies vorschreiben, sondern weil wir nun unsere Mitarbeiter in einem anderen Licht sehen, sich uns neue Möglichkeiten des Kennenlernens eröffnen oder uns regelrecht aufgedrängt werden. Mit dem Video-Call zum Beispiel erhalten Führungskräfte und Kollegen technisch gesehen einen Einblick in die private Welt des anderen. Wir öffnen unser Inneres auf neue Art und Weise dem Gegenüber. In unserer Umgebung sind wir zugänglicher und offener als jedes Gespräch oder Meeting im Unternehmen hätte sein können. Neben der privaten eigenen Umgebung oder unserer privat selbstverständlichen Kleidung wissen wir alle (oder viele), dass beide von uns, sich auf eine neue Situation und Ausgangslage einstellen müssen. Die Führungskraft hat keine Kontrolle mehr. Mitarbeiter werden nicht mehr in das Chef-Büro zitiert und der Chef verliert damit seine besondere Stellung.

Zutrauen führt zu Vertrauen führt zu erfolgreichem Miteinander.

Ein neues Miteinander und Kennenlernen ermöglichen eine Stärkung des gegenseitigen Zutrauens und daraus Vertrauens, das wir unbedingt in die nächste Phase der Arbeitswelt retten sollten. Der Mensch rückt trotz der verordneten Distanz näher aneinander. Unternehmen und Manager sind angehalten, die Mitarbeiter statt als Arbeitsmittel mehr als Mensch zu sehen und deren Stärken einzubringen. Denn genau diese Stärken helfen aktuell gerade in dieser speziellen Situation vielen Unternehmen, zu überleben.

 

Fazit: Die Corona-Krise als Chance nutzen?!

Ja, es ist der Beginn einer neuen Beziehung am und um den Arbeitsplatz. Dies zu erkennen, zu fördern und zu fordern, wird Unternehmen und Mitarbeiter auf ein nie dagewesenes Level hieven. Wer zurück zu alten Strukturen und Beziehungsmustern kehren möchte, wird überrascht sein, dass Vergangenes tatsächlich vergangen ist und nicht in derselben Weise wieder gelebt werden kann.

Wichtig ist nun, dass wir mehr Freude an der Zukunft haben als an der Vergangenheit.

 

Hier gibt es weitere Denkanstöße zur Führung im neuen Zeitalter.

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