Der Trend geht eindeutig zu flexiblerem Arbeiten über. Aber was bedeutet das genau? Viele Unternehmen wollen Ihren Mitarbeitern moderne Arbeitsplätze bieten: Flexible Arbeitszeiten, eigenverantwortliches Arbeiten und leistungsgerechte Bezahlung.

Aber sind wir Menschen dazu geeignet? Grundsätzlich ja. Aber warum tun wir uns dann so wahnsinnig schwer mit dem Wandel?

Fangen wir mit der Kindheit an!

Grundsätzlich lernt jeder Mensch in seinem eigenen Tempo die ersten Schritte des Lebens. Intensiv werden wir durch die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung geprägt und imitieren das Verhalten. So ist es z.B. auch häufig der Fall, dass Zweitgeborene vieles durch Kopieren des Geschwister-Verhaltens schneller erlernen als das erste Kind. Nach den ersten Lebensjahren entdecken wir die Phantasie für uns. Wir malen uns sprichwörtlich die Welt, wie sie uns gefällt. Grenzen gibt es keine und oftmals merken wir gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Als Gegenmaßnahme werden wir dafür genauso intensiv an Routinen gewöhnt. Wann ist Zeit aufzustehen?

Wann Zeit zu essen? Wann wird was und wieso am Tag / in der Nacht gemacht? Spätestens mit Beginn der Schulzeit ist es mit dem eigenen Lebens- und Lernrhythmus vorbei. Alle Kinder werden mehr oder weniger in die gleichen Routinen gezwängt: Aufstehen, Frühstücken, Schule besuchen, Mittagessen, Hausaufgaben machen, Spielen (später kommen Hobbys hinzu), Abendbrot, Schlafen und das Ganze wieder von vorne. Weder auf Individualität noch auf den jeweiligen Biorhythmus wird oder kann geachtet werden. Das zieht sich dann in unserem späteren Leben fort. Oft werden Verhaltensweisen bereits Früh imitiert. Glaubenssätze wie „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“, „Ohne Fleiß kein Preis“, „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“ fest verankert. Was passiert nun, wenn Menschen, die von Ihrer Kindheit bis zum Erwachsenen sein nach all diesen Vorgaben und Richtlinien gelebt und diese in Ihren Alltag integriert haben, all das über Bord werfen sollen? Ist dann ein flexibles, eigenverantwortliches Arbeiten einfach so möglich? Vermutlich nein.

Imitation ist das Schlüsselwort

Ich habe letztens einen Artikel im Focus/Erziehung gelesen, in dem mich eine Passage besonders gefesselt hat:

“ Ein Experiment, das alle Eltern kennen sollten:

Wissenschaftler mehrerer renommierter Universitäten haben sich im Jahr 2011 zusammengetan, um zu untersuchen, wie es sich auf das Spielverhalten von Kindern auswirkt, wenn Erwachsene eingreifen.

Zwei Gruppen von Kindern im Vorschulalter sollten sich mit einem Spielzeug beschäftigen. Es bestand aus mehreren Teilen und hatte verschiedene Funktionen. Ein Element konnte hupen, eins konnte aufleuchten, eins machte Musik und eins hatte einen versteckten Spiegel.

In der einen Gruppe griff ein Erwachsener in das Spiel ein und zeigte den Kindern jeweils, wie die Hupe funktionierte. Die andere Gruppe der Kinder wurde mit dem Spielzeug allein gelassen.

Anschließend wurden beide Gruppen verglichen:

In der ersten Gruppe spielten die Kinder ausschließlich mit der Hupe und wiederholten immer wieder, was der Erwachsene ihnen gezeigt hatte.

In der zweiten Gruppe entdeckten die Kinder alle Funktionen des Spielzeugs von allein und nutzten jede einzelne.

Es liegt also eigentlich auf der Hand, was Eltern tun sollten: Anstatt ihren Kindern zu zeigen, wie die Welt funktioniert, sollten sie ihnen die Möglichkeit geben, dies selbst herauszufinden – und sie dabei auf liebevolle Weise begleiten.

Das Faszinierende an diesem Artikel ist für mich, dass sich genau dieses Verhalten – sowohl von den Erwachsenen als auch den Kindern – unser Leben lang so fortsetzt.

Und jeder hat genau diese Erfahrung schon mindestens einmal gemacht:

Wir fangen einen neuen Job an und ein Kollege erklärt uns die Prozessschritte und die Vorgehensweise im Tagesgeschäft. Oftmals hat man dann als Neuling einen neutralen, offenen Blick. Die Betriebsblindheit hat noch nicht eingesetzt. So ist es dann häufig – wohl auch unter dem Aspekt, dem neuen Arbeitgeber möglichst schnell einen Mehrwert zu geben – dass wir voller neuer Ideen, Optimierungen und Rückfragen stecken. Leider ist es genauso häufig der Fall, dass genau diese Ideen sehr schnell abgeschmettert oder nicht beachtet werden. Floskeln wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ und „Wir müssen uns hier an die Prozesse halten“ haben wir schon alle mehrfach gehört.

Stumpfen wir mit der Berufserfahrung auch gleichzeitig ab?

Ich denke, dass hängt viel von den eigenen Anlagen ab. Nachdem wir mit unserem neuen Tatendrang immer wieder ausgebremst werden, passt sich unser Verhalten auch mit jeder neuen Erfahrung an. Es gibt sicherlich sowohl diejenigen, die dann irgendwann auf „Dienst nach Vorschrift“ schalten, die Veränderungsverweigerer, die jegliche Umstellung erstmal negativ gegenüberstehen und die Revoluzzer, genauso wie zig Millionen andere Verhaltensweisen. Ich persönlich zähle mich zu den Revoluzzern. Nicht Revoluzzer in dem Sinne, alles grundlos der Veränderung allein zu nutzen, aber ich hinterfrage gerne und höre genauso gerne zu. Mich interessiert das große Ganze. Damit habe ich meine Eltern schon früh in den Wahnsinn getrieben und bin mir dieser Vorgehensweise auch immer treu geblieben. Wo kommen Gedanken / Themen / Aufgaben her und was passiert damit, wenn ich meinen Teil daran erledigt habe? Warum ist der aktuelle Prozess der beste? Wie geht es den Menschen vor und nach meiner Tätigkeit mit Ihren Aufgaben? Und verfolgen auch alle Einzelschritte das richtige Ziel? Genau das ist mein Credo: Durch Zuhören und Hinterfragen zu den echten und wichtigen Themen gelangen.

Wo ist denn der Umschalter?

Nachdem wir nun alle bereits von Klein-auf dazu erzogen wurden, uns durch Imitation der Verhaltensweisen von anderen Menschen und Adaption der Vorgehensweisen den Weg durch die Schulzeit und Berufswelt zu bahnen, sind wir dann endlich an einem Punkt angekommen, an denen wir uns mal etwas ausruhen können. Wir haben es geschafft! Endlich gehören wir zu denjenigen, die den anderen das Verhalten und die Vorgehensweise erklären dürfen. Und nun wird uns all das Weg genommen und wir sollen selbstverantwortlich, selbstständig arbeiten? Was soll das? Wir sollen uns nun immer wieder neu auf die jeweilige Ausgangslage einlassen?

Mit genau diesen Haltungen müssen sich Unternehmen auseinandersetzen. Es gibt keinen Um-Schalter.

Gut. Dann tauschen wir eben die „flexibel unfähigen“ Mitarbeiter aus? Eine Option, aber sicherlich auch teuer und nicht ernsthaft gewünscht? Will man nicht stattdessen die bisherige Berufserfahrung und das Wissen sowie die Loyalität der Mitarbeiter nutzen?

Unternehmen, die sich mit diesem Thema ernsthaft auseinandersetzen wollen, müssen sich wohl eine intelligente Vorgehensweise zur schrittweisen Einführung der selbstständigen, flexiblen Arbeit machen.

Und hier kommt wieder die Philosophie von Business • People • Companion zum Einsatz:
Zuhören, Hinterfragen, Verstehen und Helfen.